„Orpheus in der Unterwelt“ zum Jahreswechsel auf Schloss Henfenfeld

Götterstelldichein begeisterte das Publikum

Hersbrucker Zeitung am 02.01.2019

Zum Jahreswechsel findet auf Schloss Henfenfeld traditionell eine Silvestergala statt. Mit „Orpheus in der Unterwelt“ von Jaques Offenbach hat die Opernakademie einen weiteren Meilenstein in ihrer Geschichte gesetzt. Die Persiflage auf die griechische Mythologie begeisterte das Premierenpublikum.

Schon der „Vorspann“ sorgte für große Heiterkeit: Maximilian Vogt gibt in der Rolle des Musiklehrers Orpheus einer Schülerin Violinunterricht und zeigt auch seine Zuneigung. Herrlich schräge Töne mischten sich in das Spiel von Jeanne Vogt, vom Weihnachtslied bis zur Marseillaise.

Die Leiterin der Opernakademie; Denette Whitter erzählte, dass in gerade rekordverdächtigen vier Tagen das Werk einstudiert wurde, sie gab Einblick in die Geschichte und übernahm den Part am Flügel.

Der Rote Saal verwandelte sich in eine Wiese als die Sopranistin Lou Denès mit der Arie der Eurydike „“Ein Weib, das Lieb‘ und Sehnsucht plagen“ auftrat. Wunderschön war der Gesang der jungen französischen Sängerin. Ein Genuss für Auge und Ohr folgte beim Streitgesang zwischen Orpheus und Eurydike. Beide haben sich auseinandergelebt und frönen ihren Liebschaften. Stimmgewaltig zeigte sich hier der Tenor Maximilian Vogt, das Publikum war beeindruckt.

Einen wahrlich diabolischen Auftritt hatte der Tenor Dieter Doetsch, der als Schäfer Aristeus Eurydike umgarnt, in Wahrheit aber Pluto, der Herr der Unterwelt ist. Dorthin will er die Schöne entführen, sorgt aber zuvor dafür, dass sie noch eine Nachricht an ihren Gatten hinterlässt.

Der Verlust seiner Gattin beeindruckt Orpheus nicht, im Gegenteil – doch es kommt anders: Die „öffentliche Meinung“, vorzüglich von Jeanne Vogt in Szene gesetzt, liest ihm die Leviten und fordert ihn auf, seine Frau aus der Unterwelt zurückzuholen.

Szenenwechsel in den Olymp: Dort tummeln sich die Göttinnen und Götter – pikanterweise sind es römische. Müde sind sie, passend im Chor dazu ihr „O Seligkeit, im Schlaf zu liegen“. Das ändert sich schlagartig als Göttervater Jupiter die Szene betritt. Bassbariton Guido Drell zeigte sich hier sehr führungsstark. Als bekannt wird, dass ein Gott die sterbliche Eurydike entführt hat, wird Jupiter verdächtigt, es kommt fast zur Revolte. Im Wechselgesang traten die Göttinnen auf, Ann-Kathrin Meyler als Juno, Karin Friedli als Diana und Johanna Zimmermann als Venus. Als richtiger Wirbelwind zeigte sich Lucia Tumminelli in der Rolle des Cupidos. Nebenrollen besetzten hier Charlotte Withen, Antonia Modes als Minerva und Agnes Konnerth als Götterbote Merkur.

Turbulent wird es, als Orpheus und die „öffentliche Meinung“ bei Jupiter vorsprechen und die Rückgabe Eurydikes verlangen. Richtig schmachtvoll sang Maximilian Vogt das berühmte „Ach, ich habe sie verloren“, eine Arie, die Offenbach von Christoph Willibald Gluck „entlieh“. Nachdem Pluto als Missetäter entlarvt wurde, beschließen die Götter, sich in die Unterwelt zu begeben.

Dort langweilt sich mittlerweile Eurydike und ist sichtlich genervt von Styx. In dessen Rolle schlüpfte Thomas Elble, dessen „Als ich einst Prinz war von Arkadien“ das Publikum hellauf begeisterte. Sehenswert war das Schauspiel, als Jupiter in Gestalt einer Fliege Eurydike umschwärmte. Nachdem sich die Götter am vorzüglichen Wein des Pluto gelabt hatten, würdigten sie in einer Hymne dem Bacchus. Beim „Höllentanz“ brachten die Akteure den Boden derart zum Beben, dass man auf eine gute Statik vertrauen musste. Den Abschluss bildete der legendäre Aufstieg aus der Unterwelt, bei dem sich Orpheus nicht umdrehen durfte – das Resultat ist hinreichend bekannt.

Alle Akteure zeigten hohes Niveau bei Gesang und Schauspiel, besonders hervorzuheben ist die Leistung von Jeanne Vogt, die neben ihrer Rolle auch die Violinsoli spielte. Virtuos war der Gesang von Lou Denès, die mit Szenenbeifall belohnt wurde. Mit minutenlangem rhythmischem Beifall wurde das Ensemble verabschiedet – Fazit des Abends: Eine herrliche Aufführung!

Weitere Aufführungen gibt es am 4. Und 5. Januar um 19.30 Uhr sowie am 6. Januar um 17.00 Uhr, Kartenvorbestellung unter Telefonnr. 09151-9087838.

 

Johann Dechant