Vortrag von Pfarrer Dr. Peter Baumann zum Kirchenjubiläum

Ein stetiger Wandel in vergangenen Zeiten

Hersbrucker Zeitung am 22.02.2019

HENFENFELD – Zum 900jährigen Bestehen der Henfenfelder Nikolauskirche kam Pfarrer Dr. Peter Baumann an seinem früheren Wirkungsort zurück. Unter dem Motto „900 Jahre – woher wir das wissen“ stand sein Vortrag zur Historie des Gotteshauses.

Pfarrerin Kathrin Klinger begrüßte Baumann als „Fachmann für Henfenfeld“ und freute sich über einen vollbesetzten Gemeindesaal. Auch er selbst freute sich über diesen Auftritt „in der alten Heimat“.

Baumann stellte eingangs fest, dass dieses Jubiläum eigentlich ein Zufall ist, da die Kirche sicherlich schon vor dem Jahre 1119 entstand. Wie schon bei der 950-Jahrfeier der Gemeinde bildete eine Urkunde die Basis für den „Geburtstag“. 1059 wurde ein Kazelinus von Hamfenfeld urkundlich genannt, 60 Jahre später fand sich ein Eintrag in der Gründungsurkunde des Klosters Michelfeld über eine Pfarrei in Henfenfeld. Dass diese nicht schon 1059 erwähnt wurde, wie die Pfarreien in Alfeld, Eschenbach, Happurg und Offenhausen hatte ein ganz simplen Grund: Diese gehörten nämlich zum Bistum Eichstätt und wurden anlässlich einer Visitation des Bischofs Gundekar erstmals erwähnt. Die Pfarrei in Henfenfeld gehörte jedoch zum Bistum Bamberg und weist eine Besonderheit auf, denn sie ist die einzige, die südlich der Pegnitz liegt.

Baumann zeigte hierzu viele Abbildungen der alten Urkunden, die er selbst fotografiert und analysiert hatte. Das die Pfarrei in der Urkunde aufgelistet war, hatte einen simplen Grund, es diente zur Erfassung der Einnahmen für das Kloster bei Auerbach.

Neben der Kirche gehörten auch reichlich Grundstücke, die nachweisbar zur Ausstattung gehörten.

Die früheste Kirche war eine Chorturmkirche, von dieser stammen noch auf der Ostseite der Bogenfries, auch die Fensteröffnungen stammen aus dieser ersten Zeit. Der jetzige Kirchturm wurde 1491 angebaut, Baumann glaubt, dass als „Inspiration“ der Ottensooser Kirchturm diente, es war quasi eine Prestigeangelegenheit.

Die Reformation führte dazu, dass mit der Nürnberger Patrizierfamilie Pfinzing, die das Schloss übernahm, die Kirche 1530 evangelisch wurde. Die Pfinzings erwarben damit auch jene Güter, die bis dahin zu Michelfeld gehörten.

In der Pfinzingzeit von 1530 bis 1764 fanden umfangreiche Bauarbeiten an der Kirche statt. Nachdem das Gotteshaus auch als Begräbnisstätte diente entstand unter dem Altar eine Gruft. Der Zugang dazu befand sich auf der Südseite, unter dem Baldachin, der 1613 entstand. Bereits vorher war im angebauten Querschiff eine Grablege entstanden. Um 1700 wurde die Kirche aufgestockt, um mehr Gläubige aufzunehmen, wurde die Empore eingebaut.

Zur Sakristei hatte Pfarrer Baumann eine Anekdote parat: Sie entstand auch in jener Zeit, damit der Pfarrer „mal unauffällig verschwinden konnte“, beispielsweise zur Verrichtung der Notdurft, denn Gottesdienste dauerten früher mehrere Stunden. Die frühere Gethsemanegruppe, im Volksmund auch Ölberggruppe genannt, verschwand wieder. Übrig geblieben ist davon nur ein Kreuz auf der Westseite des Kirchturmes.

Mit der Vergrößerung der Sakristei bekam Henfenfeld auch zwei alte Glasbilder, die zwischen 1230 und 1240 entstanden sind. Während die Darstellung des Erzengels Michael noch in Urform zu sehen ist, fällt beim Bild des heiligen Nikolaus das Gesicht auf, welches 100 Jahre später, wohl aufgrund eines Schadens erneuert werden musste.

Im Kirchturm befinden sich drei Glocken, die relativ jung sind. Jeweils im ersten und im zweiten Weltkrieg wurden die Vorgänger Opfer der Rüstungsindustrie. Einzig die Taufglocke auf der Ostseite blieb seit der Errichtung des Turmes erhalten, weil sie aufgrund ihrer Größe als nicht verwertbar angesehen wurde.

Als Legende kann allerdings das Gerücht angesehen werden, dass diese Taufglocke als sichtbares Signal einer Schlossherrin diente.

Neben der Geschichte der Kirche berichtete Baumann auch von etlichen seiner vielen Vorgänger mit teils skurrilen Geschichten. Sehr interessant waren auch seine Ausführungen zum Inventar. So gibt es bis heute den Abendmahlswein aus einem Krug, den 1764 die Witwe des letzten Pfinzings stiftete. Darauf befindet sich das Wappen dieser Familie, es steht allerdings auf dem Kopf, was ein Hinweis auf das Aussterben dieser Linie war.

Für seinen exzellenten Vortrag erhielt Pfarrer Baumann von den Zuhörern einen ordentlichen Beifall und von Pfarrerin Kathrin Klinger ein flüssiges Präsent.

Pfarrer Dr. Peter Baumann beim Vortrag
Auf dem Bild der Kirche ist auf halber Höhe der Bogenfries der ersten Bauphase erhalten. Der Kirchturm entstand 1491 – ein Jahr bevor Kolumbus nach Amerika segelte.