Hersbrucker Zeitung am 27.09.12

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Hersbrucker Zeitung am 27.09.12

Neue Pläne für eine Umgehung
B 14 kommt in den Tunnel

REICHENSCHWAND - Die geplante und umstrittene B14-Umgehung ist tot. Das staatliche Bauamt verfolgt die Planung nicht weiter und schlägt stattdessen eine Tunnellösung unter Reichenschwand vor. Sie würde im Westen kurz vor Ortsbeginn vom jetzigen Straßenverlauf nach Norden abzweigen, die Bahnlinie unterqueren und etwa in Höhe der Ziegeleistraße im Osten wieder zur alten Trasse führen. Was utopisch klingt, hat weit höhere Realisierungschancen als die bisherige ökologisch bedenkliche Lösung - und wäre auch nicht viel teurer.

Bürgermeister Bruno Schmidt war der erste, den Rainer Popp am Montag von den ganz neuen Gedanken der staatlichen Straßenbauer in Kenntnis setzte. Der Bereichsleiter Straßenbau und stellvertretende Amtsleiter ist erst seit Dezember in Nürnberg und hat den jahrzehntelangen Streit um eine Reichenschwander Ortsumgehung offensichtlich mit dem kundigen Blick des Neueinsteigers komplett frisch durchdacht.

Bauingenieur Popp, der auch schon einige Jahre bei den obersten Straßenbauern im Münchner Innenministerium tätig war, konnte offensichtlich auch die Politik von seinem neuen Ansatz überzeugen: Der Freistaat verzichtet auf die stockende oberirdische Lösung quer durchs Pegnitztal und zu den angrenzenden Gemeinden Ottensoos und Henfenfeld hin. Bayern wird stattdessen bis Jahresende für den nächsten Bundesverkehrswegeplan 2015 eine Tunnellösung vorschlagen, die „nur 20 Prozent teurer“ als die bisher verfolgte werden soll, aber statt 9 Kilometer neuer Hochtrasse nur 1,5 Kilometer Tunnel plus zwei mal 500 Meter Zufahrt frisst. Heutigen Baukostenschätzungen zu Folge würde die oberirdische Lösung 36 Millionen Euro kosten, der Tunnel 42 Mio.

Bürgermeister Schmidt, der in letzter Zeit überhaupt nicht mehr an eine Umgehung geglaubt hatte — jedenfalls nicht in seiner Amtszeit —, ist von der neuen Idee sehr angetan und wirbt dafür bei seinen Gemeinderäten und im Landkreis. Die bisherigen Umgehungsgegner, die Bürgermeister Gerhard Kubek (Henfenfeld) und Klaus Falk (Ottensoos), wären vom Tunnel im Norden Reichenschwands nicht betroffen. Und auch Klagen der Naturschützer sind hier kaum zu erwarten.

Die gerichtlichen Klagen dieser beiden Gegnergruppen hatten die bisher verfolgte Lösung mit großen Brücken quer durchs naturgeschützte Pegnitztal in den letzten Jahren ausgebremst. Beim Beharren auf diesem Konzept würden — alle Untersuchungen, Planungen und Gerichtsstreitigkeiten eingerechnet — mindestens zehn weitere Jahre ins Land gehen, schätzt Popp. Die Regierung hatte nach Anhörung der Gegner die Planfeststellung zwar 2002 erteilt. Das Verwaltungsgericht verpflichtete die Straßenbauer aber 2006 zu neuen Untersuchungen der Tierwelt rings um die geplante Trasse.Die erwies sich, wie von Naturschützern prophezeit, als zahlreich und einzigartig. Zum Schutz von Haselmaus, Zauneidechse und Laubfrosch sowie vielen Libellen-, Falter- oder Fledermausarten wären weitere aufwendige Untersuchungen nötig.

Schon am Beispiel der Fledermäuse, so Straßenbauer Popp, zeige sich aber, wie schwer deren Belange mit dem Bau in Einklang zu bringen wären: Denn bei deren Populationen gebe es Hoch, Tief- und Bodenflieger sowie Tiere, die auf Schall oder auf Sicht reagieren. Schlichte Lösungen wie etwa Krötentunnel zur Bewahrung der Schöpfung kämen hier nicht in Frage, komplexere würden leicht unbezahlbar oder hätten bei weiteren gerichtlichen Auseinandersetzungen keinen Bestand. Denn laut EU-Recht darf auf den Artenschutz nur verzichtet werden, wenn es keine Alternativtrasse gibt.

Mit dem Tunnel unter Reichenschwand scheint die aber nun gefunden. Gestern Abend stellte Popp seinen neuen Vorschlag dem IHK-Gremium in Hersbruck vor. Das Organ der Wirtschaft hatte bekanntlich immer wieder auf eine baldige Lösung für die B 14 gedrungen.

Der neue Tunnelblick hat laut Popp nicht nur den „Charme“, dass er kaum anderen Interessen in die Quere kommt. Der Verzicht auf die südliche Brückenlösung für die B 14 bringt auch neue Bewegung in die Debatte um den Henfenfelder Knoten. Bekanntlich lehnte hier das staatliche Bauamt bislang aufwendige Umbauten wie einen kreuzungsfreien Ausbau ab. Denn die bisherige Umleitungstrasse — wann immer sie käme — würde dann mit der Wiedereinmündung der B 14 an dieser Stelle nicht zusammenpassen.

Bei der neuen Tunnellösung dagegen bleibt die B 14 gleich hinter Reichenschwand im alten Bett. Sobald diese Lösung 2015 in den Bundesverkehrswegeplan aufgenommen ist, könnte das Bauamt aus Sanierungsmitteln am Henfenfelder Knoten einen weiteren Ausbau starten.

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