Henfenfeld

Schwungvolle Musik in prachtvoller Garderobe

Ein Paukenschlag zum Jubiläumsabschluss auf Schloss Henfenfeld

Hersbrucker Zeitung am 02.01.2020

Gebührend beendete die Opernakademie auf Schloss Henfenfeld das Jubiläumsjahr. Am Silvesterabend wurde das Publikum in das 18. Jahrhundert entführt. Die „Madame Pompadour“ von Leo Fall bildete ein Feuerwerk an Musik und prachtvollen Kostümen.

Ausverkauft war die Silvestergala als die Leiterin der Opernakademie Denette Whitter auf ein bewegtes Jahr zurückblickte. Rekordverdächtig war die Vorbereitung der Operette, die in nur vier Tagen einstudiert wurde – eine Hochleistung der Künstler.

Das Leben der Madame Pompadour ist legendär, die Mätresse des französischen Königs Ludwig XV. wurde zu einem Inbegriff von erotischen Ausschweifungen.

Im Roten Saal des Schlosses gab es gleich einen turbulenten Auftritt der Damen, die sich im Gasthaus „Zum Musenstall“ die Spottlieder des Dichters Calicot anhören. Tenor Dieter Doetsch verkörperte den Poeten, der „Die Pom-, Pom-, Pom-Pompadour“ sang. Dummerweise kommt inkognito genau die verspottete Dame mit ihrer Kammerzofe in das Wirtshaus. Sopranistin Johanna Zimmermann spielte als Madame Pompadour dabei ihre erste Hauptrolle im Schloss.

Mit Szenenbeifall honorierte das Publikum ihre virtuose Auftrittsarie „Heut‘ könnt‘ einer sein Glück bei mir machen“. Ihre Zofe Belotte spielte die Sopranistin Karin Friedli, die nicht nur fabelhaft sang, sondern auch herrliche Tanzeinlagen zeigte. Die Mätresse zeigt gleich Interesse an einem schneidigen Gast, Graf René, dargestellt von Tenor Siddique Eggenberger, ist ebenfalls einem Techtelmechtel nicht abgeneigt. Das Duett „Mein Prinzesschen“ war zwar schwülstig, aber einfach köstlich. Auch der ständig intrigierende Polizeiminister Maurepas wittert eine Chance, die Pompadour beim König für ihre Ausschweifungen anschwärzen zu können. Thomas Elble (Tenor) begeisterte hier das Publikum mit der Feststellung, dass er „schläuer“ als die anderen ist. Später singt er eine Lobhudelei auf sein eigenes Amt.

Im Palast der Pompadour läuft René in schneidiger Uniform zur Höchstform auf. Eggenbergers Duett mit Zimmermann „Stillgestanden! Kerzengerade!“ erhielt Szenenbeifall. Kurz darauf findet sich eine weitere Dame ein, die Gräfin Madeleine, die ihren ausgebüchsten Mann sucht. Die Chinesin Xue Gao übernahm diese Rolle sehr kurzfristig nach Ausfall einer Sängerin, daher war ihr Auftritt sehr beachtenswert. Pikanterweise stellt sich heraus, dass Madeleine die leibliche Schwester der Pompadour ist, was weitreichende Folgen hat.

Der Koreaner Sinwoo Kim (Bariton) übernahm eine Doppelrolle. Als wuselnder Wirt Prunier war er zu sehen und als Ludwig XV. Er bestach mit kraftvollem Gesang und energischen Auftritt. Dieter Doetsch zeigte im weiteren Verlauf seine Sprachkünste bei der Poesie.

Auf Schloss Henfenfeld werden bei den weiteren Aufführungen die Rollen getauscht, daher besetzten bei der Premiere Ann-Kathrin Meyler, Lin Wang und Charlotte Withen die Rollen der Grisetten und Kammerzofen. Das Publikum genoss das besondere Flair im Roten Saal: Man sitzt quasi auf der Bühne und erlebt die Aufführung hautnah. Die hervorragende Premierenaufführung endete in minutenlangem Applaus und der Übergabe von Rosen an die Künstler.

Weitere Aufführungen gibt es am Freitag, 3. Januar um 19.30 Uhr, am Samstag 4. Januar um 19.30 Uhr und am Sonntag, 5. Januar um 17.00 Uhr. Reservierung unter Telefonnummer 09151-9087838.

Johann Dechant

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