Henfenfeld

Die „Wilden Zwanziger“ im Roten Saal

Fasching mit der Opernakademie auf Schloss Henfenfeld

Hersbrucker Zeitung am 26.02.2020

Um ein ganzes Jahrhundert wurde auf Schloss Henfenfeld die Uhr zurückgedreht. Die wilden Zwanziger Jahre waren Thema eines Faschingskonzertes, bei dem nicht nur die Akteure zeitgemäß bekleidet waren, auch etliche Gäste waren kostümiert.

Die Leiterin der Opernakademie Denette Whitter freute sich über einen berstend vollen Saal und erzählte von einer spannenden Zeit mit großen Umbrüchen.

Die „Comedian Harmonists“ kann man sicher als die erste Boygroup des 20. Jahrhunderts bezeichnen. Das Ensemble würdigte diese Sänger mit den berühmten Liedern „Mein kleiner grüner Kaktus“ und „Veronika, der Lenz ist da“. „Mein Gorilla hat ´ne Villa im Zoo“ stellte Dieter Doetsch fest und sorgte damit für viel Gelächter, vor allem als Thomas Elble im Gorillakostüm auftauchte. Sie spielte nicht nur Klavier, sondern sang auch: Denette Whitter brachte mit teils weinerlicher Stimme Stimmung in den Saal als sie „Mein Papagei frisst keine harten Eier“ in Szene setzte. Mit der Moritat von „Mackie Messer“ beeindruckte Thomas Elble das Publikum. Als Marlene Dietrich „Wenn die beste Freundin“ sang, drehte es sich um einen Einkaufsbummel, dass sich daran nicht viel verändert hat, zeigten Andrea Spolaritsch und Sandra Glatzel im Duett. Unverändert ist im Lauf der Zeit auch ein anderes Thema bei den Frauen geblieben: Die Sopranistin Lin Wang stellte fest „Benjamin, ich hab‘ nichts anzuzieh‘n“. Sonja Schreiber stellte sich als „Die Kleptomanin“ vor, die aus Leidenschaft alles stahl, was sie erwischen konnte, selbst wenn es völlig unbrauchbar war.

In den zwanziger Jahren tauchte ein seltsames Phänomen auf: Verarmte Männer, junge, gutaussehende Soldaten, meist Offiziere vom 1. Weltkrieg verdingten sich als „Gigolo“ um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Denette Whitter besang den „schönen Gigolo“, der sich reichen Frauen hingab.

Viel Gelächter erzeugte Dieter Doetsch mit dem Lied „Tante Paula liegt im Bett und isst Tomaten“.

Ein Klassiker aus dieser Zeit ist die „Rhapsody in Blue“ von George Gershwin. Joan Temmermann mit dem Cello und Denette Whitter am Flügel setzten das Werk fulminant in Szene, ein wahrer musikalischer Genuss.

Schmachtend brachte Johanna Zimmermann Dieter Doetsch alias Calicot in Bedrängnis, als sie bei „Josef, ach Josef“ aus Leo Falls „Madame Pompadour“ feststellte, wie keusch dieser sei.

Wenn man an die goldenen Zwanziger denkt, kommt man nicht um den berühmtesten Modetanz, den „Charleston“ vorbei. Das gesamte Ensemble tanzte diesen flott im Saal, viele Zuschauerbeine im Publikum wippten dabei mit. Den Dixie „I wish I could shimmy like my sister Kate“ von 1922 präsentierte eindrucksvoll Sabine Lehr mit Gesang und Tanz.

Resolut wies Ann-Kathrin Meyler ihren Tanzpartner gesanglich zurecht, als sie fragte „Was machst du mit dem Knie, lieber Hans“.

Zum Ende der zwanziger Jahre kam der „Blaue Engel“ auf die Leinwand, in dem Marlene Dietrich als Lola berühmt wurde. Einen herrlichen Auftritt zeigte Sophia Hunger als sie sich mit „Ich bin die fesche Lola“ vorstellte. Ebenso berühmt ist auch „Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt“, welches Johanna Zimmermann vorzüglich sang. Bravo-Rufe erntete Thomas Elble, als er sich als den schönen Sigismund aus „Im weißen Rössl“ vorstellte.

Als roter Faden tauchte im Konzert mehrmals „Die Braut vom Alexander – die geht so auseinander“ auf und sorgte für schallendes Gelächter. In die Walzerseligkeit dieser Ära entführte Ann-Kathrin Meyler das Publikum mit „Liebe, Du Himmel auf Erden“ von Franz Lehár, die Zuhörer waren begeistert.

Mit dem beschwingten „I Got Rhythm“ von Gershwin endete ein besonders Faschingskonzert. Mit tosendem Schlussapplaus wurden die Akteure vom Publikum belohnt.

Johann Dechant

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