Henfenfeld

Festival der hohen Stimmen

Opernakademie: Gesang zum „Satthören“ auf Schloss Henfenfeld

Hersbrucker Zeitung am 17.11.2021

Auf sehr großes Interesse stieß das letzte Konzert „Vorhang auf“ in diesem Jahr. Sämtliche erlaubten Plätze im Roten Saal des Henfenfelder Schlosses waren besetzt, zudem war es eine echte „1-G Veranstaltung“, alle waren geimpft. Denette Whitter hatte für diesen Abend ein hochkarätiges, vielseitiges Programm zusammengestellt.

Mit erhabenem Gesang eröffnete Tenor Deokyeong das Konzert. „Mit Würd‘ und Hoheit angetan“ aus „Die Schöpfung“ von Joseph Haydn erklang kraftvoll. Beim „Chanson d’amour“ zeigte der Südkoreaner viel Leidenschaft.

Nach fein artikulierten Kunstliedern begeisterte Bariton James Young das Publikum als Papageno. „Ein Mädchen oder Weibchen“ aus Mozarts „Zauberflöte“ sorgte für Begeisterung.

Ihr Debüt gab die US-Amerikanerin Ruby Leigh Pierce. Mit frischem Sopran sang sie aus „Chacun le sait“ die Arie der Regimentstochter Marie. Töne wie Trompetenhall gab es anfangs zu hören. Gewaltig war ihr Auftritt als „Königin der Nacht“ aus der Zauberflöte. Die Koloraturen, die bis zum dreigestrichenen „f“ reichen, meisterte sie bravourös. Immerhin ist diese Note die höchste, die Mozart in seinen Werken jemals verwendet hat. Für diese Leistung gab es zahlreiche Bravo-Rufe aus dem Publikum.

Jugendlich frisch war auch der Sopran der Chinesin Jingyi Wang. Bei der Arie der Marguerite  „Oh Dieu! Que de Bijoux“ aus Gounods „Faust“, ließ sie die Stimme in höchste Höhen steigen.

Im Kontrast dazu stand der Auftritt der Mezzosopranistin Liang Yu, die in einer „Hosenrolle“ den Sestos verkörperte. Aus Mozarts „La Clemenza di Tito“ sang sie überzeugend „Deh per questo istante solo“, in der Sestos nach dem Verrat an Titus um Gnade fleht.

Danach kam nochmals Papageno, dieses Mal schlüpfte der argentinische Bariton Lautaro Nolli in diese Rolle. Er überzeugte mit einem lebhaften Auftritt und hervorragendem Schauspiel. Auch die Panflöte durfte nicht fehlen, als er „Papagena, Papagena, Papagena!“ virtuos in Szene setzte.

Ein typischer Vertreter aus dem „Verismo“, einer lebensnahen Geschichte, ist Mascagnis „Cavalleria rusticana“. Dramatisch trat die Nürnbergerin Mezzosopranistin Johanna Zimmermann in der Arie der Bäuerin Santuzza auf. „Voi lo sapete, o mamma“ hinterließ tiefen Eindruck beim Publikum.

Ein wahres Feuerwerk der hohen Töne gab es, als die japanische Sopranistin Nanami Chiba in die Rolle der Violetta schlüpfte. Prachtvoll sang sie È strano, è strano“ aus „La Traviata“ von Giuseppe Verdi. Mühelos sang sie die höchsten Töne, die prachtvolle Inszenierung belohnten die Gäste mit Bravo-Rufen.

Aus Gounods „Romeo et Juliette“ sang Saki Tsuji „Je veux vivre“. Mit feinem Sopran zeigte sie die sprühende Lebensfreude der jungen Julia auf. Ihre authentische Vorstellung sorgte erneut für Bravo-Rufe.

Tenor Hibiki Tsuji mimte danach den Prinzen bei Donizettis „La Cenerentola“, bei uns als „Aschenputtel“ populär. Wieder einmal bewies der Japaner, dass er sich in italienischen Rollen wohl fühlt. Schmeichelnder Gesang und dennoch ausdrucksvoll, sind eines seiner Erfolgsrezepte. Zum Abschluss trat er zusammen mit seiner Frau Saki auf. „Meine Liebe, deine Liebe“ aus Léhars „Land des Lächelns“ war ein standesgerechter Abschluss des Konzerts. Das Publikum verabschiedete die Künstler mit tosendem Beifall.

Johann Dechant

Foto: J. Dechant

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