Henfenfeld

Leitung Mittelstandsbetrieb ehrenamtlich unmöglich

Diakonieverein beendet Trägerschaft des Kindergartens im August 2024

Hersbrucker Zeitung am 29.10.2022

HENFENFELD – Leicht gefallen ist dem Henfenfelder Diakonieverein die Entscheidung nicht, er kann die Trägerschaft des Kindergartens nicht weiter führen. Zu groß ist der Zeitaufwand für den Betrieb mit 23 Mitarbeitern im Kindergartenbereich.

Zur Jahreshauptversammlung trafen sich die Mitglieder des Henfenfelder Diakonievereins im Gemeindesaal. Pfarrerin Kathrin Klinger, gleichzeitig Vorsitzende des Vereins, freute sich, wieder eine „normale Versammlung“ halten zu können.

  1. Bürgermeister Dietmar Faltermeier würdigte in seinem Grußwort die Leistungen des Vereins, der für Jung und Alt Ansprechpartner ist.

In ihrem Bericht sprach Klinger gleich das Thema Kündigung der Trägerschaft des Kindergartens an. Als ersten Grund nannte sie die Veränderungen in den Pfarrstellen. Permanent sinkt die Anzahl der evangelischen Gläubigen, auch im Hammerbachtal, mittlerweile rutschte diese unter die 3000er Marke. Daher soll es nach der Landesstellenplanung künftig nur noch zwei Pfarrstellen geben. Damit diese ihre kirchlichen Aufgaben optimal durchführen können, sollen sie von außerkirchlichen Arbeiten entlastet werden. Darunter fällt auch die Führung des Diakonievereins. Für diesen ist es seit 2010 kein Muss mehr, dass der Pfarrer den Vorsitz übernimmt. Klinger stellte fest, dass sie 50 Prozent ihrer Arbeitszeit für den Diakonieverein aufbringen muss – ehrenamtlich. Die Führung von 23 Mitarbeitern in einem Betrieb, der zudem nicht mehr kostendeckend arbeiten kann, ist mit diesem Status nicht mehr möglich, stellte sie fest. Das ohnehin immense Arbeitspensum hat für die Vorstandschaft mittlerweile Ausmaße erreicht, die man nicht mehr stemmen kann, es hat die Dimensionen eines Mittelstandsbetriebes erreicht. Daher sieht sich der Diakonieverein gezwungen, die Trägerschaft für den Kindergarten aufzugeben. Die Kündigung wurde daher zum 31. August 2024 ausgesprochen.

Thomas Wrensch, der früher als Pfarrer auch Leiter des Diakonievereins war, bedauerte den Ausstieg aus der Kinderarbeit. Ursprünglich führte diese zur Gründung des Vereins. Seit seiner Zeit als Vorsitzender ist die Arbeit immer weiter stetig angestiegen. Wrensch befürchtet, dass die Abgabe der Trägerschaft dem Diakonieverein langfristig schaden könne.

Die 2. Vorsitzende Anette Gundelach stellte fest, dass der Verein mit den Rechtsansprüchen nicht mehr zurechtkomme. Für die Eltern ist die Unterbringung ihres Nachwuchses im Kindergarten gesetzlich geregelt, aber wie der Verein dies lösen kann, werde nicht geklärt. „Es waren viele kleine Puzzleteile die letztlich zum Beschluss für den Ausstieg führten“, stellte Gundelach abschließend fest.

Die Vorsitzende Kathrin Klinger ergänzte, dass die Rechtsansprüche auch für die politische Gemeinde ein Problem sind, denn es gebe derzeit keine Fördergelder für erforderliche Baumaßnahmen.

Die stellvertretende Leiterin des Kindergartens, Birgit Schubert nannte anschließend die aktuellen Belegungszahlen. Mit derzeit 27 Kindern ist die Krippe bereits voll, im Kindergartenbereich sind 66 Kinder untergebracht, daher ist eine dritte Gruppe erforderlich. Den Hort nutzen derzeit 45 Kinder, wobei die Räumlichkeiten im Schulhaus sehr beengt sind. Ab September wird die Anzahl der Hortkinder die Grenze der Belegbarkeit überschreiten. Nachdem die Kinder an drei verschiedenen Orten untergebracht sind, ist auch vermehrtes Personal erforderlich. Derzeit gehören 23 Mitarbeiter dem Team an.

Für die Diakoniestation gab die Leiterin Jutta Kreß einen kurzen Einblick. Aktuell werden 30 Patienten betreut, zudem gebe es viele Pflegeeinsätze. In ihrem Team herrscht ein familiäres Arbeitsklima, mit dem auch die Patienten zufrieden sind. Als Manko bezeichnete sie die Tatsache, dass es derzeit keine Haushaltshilfe gibt.

Das Zahlenwerk des Vereins für 2021 stellte Kassier Dieter Kischkel vor. Während es bei der Diakoniestation einen Überschuss von 38000 Euro gab, schloss die Bilanz beim Kindergarten mit einem Defizit von 58000 Euro ab. Kischkel prangerte die Zahlungsmoral von öffentlichen Stellen und dem Freistaat Bayern an, denn hier sind seit langer Zeit Forderungen in Höhe von 140000 Euro nicht ausgeglichen worden.

Auch beim Haushaltsplan für 2022 stellte Kischkel fest, dass es wieder ein Minus im Kindergartenbereich geben werde.

Vor der Neuwahl wurde auf Antrag der Vorsitzenden Klinger beschlossen, dass einmalig die Wahlperiode auf zwei Jahre verkürzt werden soll.

Die darauffolgende Wahl ergab keine Veränderung in der Vorstandschaft. Klinger bleibt Vorsitzende, ihre Vertreterin ist Anette Gundelach. Die Kasse wird weiterhin von Dieter Kischkel geführt. Als Kassenprüfer wurden Winfried Rosensprung und Maria Deinzer gewählt. Dem Ausschuss gehören Ingrid Kalb, Christina Ebersberger, Sandra Sauer und Jutta Haas an. Aus deren Reihen wird die Schriftführerin bestimmt, bisher war dies Sandra Sauer.

Johann Dechant

Bild: Der Kindergarten braucht ab September 2024 einen neuen Träger. Fraglich ist: wer übernimmt die Trägerschaft und auch das Personal?

Foto: J. Dechant

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