Henfenfeld

Ungewöhnlicher Liederabend mit Melodien aus Wien

Opernakademie: Weihnachtslieder klassisch bis bissig

Hersbrucker Zeitung am 21.12.2022

Wien – die „Welthauptstadt der Musik“ stand im Mittelpunkt des letzten Adventskonzertes auf Schloss Henfenfeld. Dort gab es nicht nur klassische Lieder, sondern auch solche, die viel Biss haben, vor allem aber Wiener Schmäh.

Denette Whitter zeigte sich begeistert angesichts eines vollbesetzten Saales. Sie übernahm die Moderation und en Part am Flügel.

Den Auftakt machten fünf „durchnummerierte“ Engel, sie verkündeten „Heut‘ kommen d’Engerln auf Urlaub nach Wean“.

„Wien wird bei Nacht erst schön“ stellte anschließend Nádia Zanotello mit feinem Sopran fest.

Einen kurzen Vorgeschmack auf den Frühling gab Johanna Zimmermann. Leidenschaftlich sang sie „An der Donau, wenn der Wein blüht“. Auch Nanami Chiba war ihrer Zeit voraus, als sie strahlend verkündete „Draußen in Sievering blüht schon der Flieder“.

Einen ganz besonderen Höhepunkt setzte Alwin Adelmann, der Tenor ist auch ein hochbegabter Stimmenimitator. Als er „Die Reblaus“ besang, war dies eine perfekte Hommage an Hans Moser, dessen Reblaus sowohl den roten als auch weißen Wein mochte.

Ein Markenzeichen von Wien sind die Fiaker, sie gehören zur Stadt wie der Stephansdom, wo sie stehen und auf Passagiere warten. Alwin Adelmann sang das legendäre „Fiakerlied“ in feinstem Wiener Schmäh. Das Hufgeklapper wurde dabei mit Kokosnussschalen erzeugt.

Er ist „der“ Walzer schlechthin, „An der schönen blauen Donau“. Dieser wurde vierhändig von Anna Balint und Denette Whitter auf dem Flügel gespielt. Beeindruckt lauschte das Publikum den Klängen des berühmtesten Werkes von Johann Strauss.

Recht flott setzte Katharina Meissner einen Wiener in Szene, der in New York die Weihnachtszeit erlebt und von seiner Heimat träumt. Von Robert Stolz stammt die Operette „Venus in Seide“. Daraus sang Meissner „Spiel auf deiner Geige“ eine Hommage an Ungarn mit einem Mix aus Feuer und Melancholie.

Relativ unbekannt ist der Wiener Komponist Heinrich Strecker. Denette Whitter war eigens nach Wien gereist, um dort Noten seiner Werke zu bekommen. Eines davon ist das romantische „Es steht eine Bank im Schönbrunner Park“ welches Nanami Chiba wunderschön vortrug.

Einen Vorgeschmack auf die Silvestergala gaben Adelmann und Zanotello, als sie aus Lehárs „Paganini“ im Duett „Niemand liebt dich so wie ich“ sangen. Johanna Zimmermann beeindruckte das Publikum mit dem wunderschönen „Liebe, du Himmel auf Erden“.

Für die Silvestergala sind übrigens noch Karten zu haben.

Danach stellte das Ensemble fest „Weihnachten ist eine schöne Zeit“, das aus der Feder von Georg Kreisler stammt. Sehr bissig wird darin der Kult in der Weihnachtszeit in Szene gesetzt, vieles davon, vor allem der Geschenkekult hatten Wiedererkennungswert. Daher sorgte das Lied für große Heiterkeit im Publikum. In die gleiche Kerbe traf auch Udo Jürgens mit seinem „Merry Christmas allerseits“. Der Mix aus Englisch und Deutsch mit treffenden Pointen erzeugte Lachsalven bei den Zuhörern.

Als romantischer Abschluss zeigte sich „Wien, du Stadt meiner Träume“ mit dem berühmten Refrain „Wien, Wien nur du allein“. Für das fabelhafte Konzert gab es tosenden Beifall und Bravo-Rufe. Als Zugabe gab es passenderweise ein „Wiener Schlaflied“.

Johann Dechant

Foto: J. Dechant

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