Henfenfeld

Schön anzusehen, aber oft auch gefährlich

Vortrag von Nina Wahler über giftige Pflanzen in Haus und Garten

Hersbrucker Zeitung am 28.10.2021

HENFENFELD – Zu einen Vortrag über giftige Pflanzen in Haus und Garten lud der Henfenfelder Verschönerungsverein ein. Die Floristin Nina Wahler zeigte dabei auf, welche Pflanzen kritisch sind, vor allem, wenn Kleinkinder oder Haustiere dazu Zugang haben. Die mitgebrachten Anschauungsobjekte überraschten die Zuhörer.

In der AWO-Begegnungsstätte in Henfenfeld begrüßte der Vorsitzende des Verschönerungsvereins, Johann Dechant eine erstaunlich große Gästezahl. Mit Bildtafeln und echten Pflanzen zeigte Nina Wahler auf, welche Gewächse mehr oder minder gefährlich sind. Sie zitierte Paracelsus, der schon im Mittelalter feststellte, „allein die Dosis macht das Gift“. Früher habe man sich viel mehr mit Giftpflanzen beschäftigt, stellte sie fest, vieles davon wird heute nicht mehr wahrgenommen. Bei manchen Pflanzen sind nur Teile giftig, angefangen von der Wurzel bis zum Pflanzensaft. Es gibt aber auch solche, bei denen alle Teile darunter fallen. Auch der Reifegrad spielt dabei eine Rolle. Andererseits spielen Pflanzen aber auch in der Medizin eine wichtige Rolle, oft verwischen die Grenzen zwischen Heilkraut und Giftpflanze, stellte sie fest.

Als erstes Beispiel zeigte sie eine Tollkirsche. Für Kinder kann schon der Verzehr von wenigen Beeren tödlich verlaufen, andererseits ist ihr Inhaltsstoff in der Notfallmedizin lebensrettend. Die Heimtücke besteht oft darin, dass die Symptome einer Vergiftung oftmals erst bemerkt werden, wenn es zu spät ist.

Der menschliche Körper hat dagegen einen Schutzmechanismus aufgebaut, Bitterstoffe führen zum Ausspucken, zur Übelkeit oder zum Erbrechen, was allerdings bei Kindern noch nicht so ausgeprägt ist.

Eine andere vielseitige Pflanze ist der Wunderbaum, dessen lateinischer Name „Rizinus communis“ sein Geheimnis lüftet. Schon ein Samen kann tödlich wirken, anderseits ist das Rizinusöl in der Medizin anzutreffen.

Die Referentin fragte im Publikum nach, welche Pflanzen ihrer Meinung nach im Garten gefährlich sind. Bekannt sind ja Gold- und Blauregen, der Kirschlorbeer, Oleander und Engelstrompete. Als Blühpflanze ist der blaue Eisenhut die giftigste Pflanze Europas, auch der Fingerhut weist ein starkes Herzgift auf. Erstaunt war so mancher Zuhörer, als auch der Efeu genannt wurde, der komplett giftig ist. Bei Ligusterhecken sind die Blätter und Beeren giftig, Thuja kann allergische Hautreaktionen hervorrufen. Der beliebte Buchs ist ebenfalls in allen Pflanzenteilen giftig . Sehr populär aber ebenfalls durchgängig giftig ist auch die Christrose, dagegen ist die Pfingstrose „nur“ leicht giftig.

Sehr dekorativ ist ein Strauch mit Pfaffenhütchen, hier treten Vergiftungserscheinungen bei Verzehr der Früchte erst nach 15 Stunden auf, die Giftstoffe schädigen nachhaltig Leber und Nieren.

Während kleinere Kinder meist Beeren länger kauen und verschlucken, stellt bei den Erwachsenen die Verwechslung die häufigste Erscheinung hervor, wenn beispielsweise Bärlauch mit dem hochgiftigen Maiglöckchen verwechselt wird, die zur gleichen Zeit wachsen.

Die Floristin informierte danach über Zimmerpflanzen, die sie in ihrem Blumenladen anbietet. Das beliebte Alpenveilchen, Azaleen, die Primeln, der Ficus, die Efeutute, das Einblatt und die Flamingoblume zeigen auf, dass bei fast jedem Blumenliebhaber das Gift am Fensterbrett steht. Auch die beliebte, in der Weihnachtszeit blühende Amaryllis ist besonders in der Zwiebel giftig.

Zum Schluss informierte sie, was im Ernstfall zu tun wäre. Erstes Gebot: Sofort handeln, denn bei Gift zählt jede Minute. Manchmal ist die Aufnahme von Wasser hilfreich, auf keinem Fall sollte Milch getrunken werden, da hier die Wirkung verstärkt wird. Bei Reaktionen auf der Haut sollte sofort eine gründliche Reinigung vorgenommen werden. Auch die Telefonnummer vom Giftnotruf ist wichtig: unter 089 19240 ist rund um die Uhr ein Ansprechpartner vorhanden. Natürlich kann auch die Notrufnummer 112 gewählt werden, dann wird man zum Giftinformationszentrum weiter vermittelt.

Im Anschluss gab es viele Fragen aus dem Publikum, die Wahler zumeist auch beantworten konnte.

Zum Schluss merkte der Vorsitzende des Verschönerungsvereins an, dass man nun kritisch seine Bestände begutachten und notfalls auch entfernen solle, wenn kleine Kinder im Haus sind, frei nach einem bekannten Spruch aus der Werbung: „Stets außerhalb der Reichweite von Kindern aufbewahren“.

Johann Dechant

Bild: Floristin Nina Wahler hatte umfangreiches Informations- und Anschauungsmaterial dabei.

Foto: J. Dechant

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